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04.03.2005    Pflegerecht Newsmeldung versenden Drucken

Widerstand gegen Einschränkungen für künstliche Ernährung wächst

Gegen die Pläne des Gemeinsamen Bundesausschusses, die ambulante Versorgung vieler Patienten mit künstlicher Nahrung erheblich einzuschränken, formiert sich zunehmend Widerstand.

Berlin - Gegen die Pläne des Gemeinsamen Bundesausschusses,
die ambulante Versorgung vieler Patienten mit künstlicher Nahrung
erheblich einzuschränken, formiert sich zunehmend Widerstand. Bei
einem Treffen verschiedener Selbsthilfeverbände am Dienstag (1. März)
in Berlin wurden die Absichten des Gremiums, in dem Ärzte- und
Krankenkassen-Vertreter die Leistungen für die Versicherten
festlegen, scharf kritisiert. "Man kann doch nicht einfach Menschen
zum Hungern verurteilen", unterstrich Monika Boeckmann, Sprecherin
der Selbsthilfeinitiative Eltern mit neurologisch kranken und
behinderten Kindern Saarland und Rheinland-Pfalz. Eingeladen zu dem
Treffen hatten die SHG und der Verein "Recht auf Essen und Leben",
der sich für die Rechte künstlich ernährter Menschen einsetzt.

Die Mutter eines schwer behinderten Kindes weiß, wovon sie
spricht, denn ihr Sohn ist zeitweise selbst auf künstliche Ernährung
mit einer durch die Bauchdecke gelegten Sonde angewiesen. Auch die
Sprecher weiterer Verbände waren nicht bereit, zu akzeptieren, dass
beispielsweise Menschen mit einer Auszehrung aufgrund chronischer
Leber-, Nieren-, Herz- oder Lungenerkrankungen künftig kein Anrecht
auf Trink- und Sondennahrung haben sollen, wenn sie auf anderem Weg
nicht genug Nahrung zu sich nehmen können. Die meisten Krebspatienten
müssen sich erst auf einen Body-Mass-Index unter 21 herunter hungern,
bevor sie mit enteraler Ernährung stabilisiert werden dürfen. Für
einen 1,70 Meter großen und 80 Kilogramm schweren Mann (BMI von 27,7)
bedeutet dies, dass er zuvor fast 20 Kilogramm (ein Viertel seines
Gewichts) abnehmen muss.

Festgelegt ist all dies in der Arzneimittelrichtlinie 20.1 i, die
der Gemeinsame Bundesausschuss am 15. Februar verabschiedet hat. Zur
Irreführung der Öffentlichkeit argumentiere der Bundesausschuss
derzeit mit einer angeblichen Öffnungsklausel, betonte ein Sprecher
des Vereins "Recht auf Essen und Leben". Diese Klausel beinhalte
jedoch einen Zirkelschluss und sei deshalb de facto keine Lösung. Die
Selbsthilfeverbände hoffen nun auf die Unterstützung des
Bundesgesundheitsministeriums, das diese Richtlinie bereits zweimal
abgewiesen und zur Überarbeitung an den Ausschuss zurück verwiesen
hat.

Quelle:
Verein Recht auf Essen und Leben



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