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05.02.2007    Altenpflege Newsmeldung versenden Drucken

Pflegestammtisch am 1.2.2007 in Neuss-Erfttal: Pflegebedürftigkeit geht uns alle an!

Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. hatte am 1. Februar 2007 zum ersten Pflegestammtisch für die Region Neuss-Düsseldorf eingeladen und etwa 60 Gäste, vorwiegend Pflegekräfte und pflegende Angehörige erschiene…

Neuss -Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. hatte am 1. Februar 2007 zum ersten Pflegestammtisch für die Region Neuss-Düsseldorf eingeladen und etwa 60 Gäste, vorwiegend Pflegekräfte und pflegende Angehörige, waren um 18.30 Uhr im Bürgerhaus in Neuss-Erfttal erschienen. Zwei Themen standen im Mittelpunkt des Treffs:

Beim ersten Thema ging es um dementielle Erkrankungen. Frau Birgit Meyer vom Demenz-Servicezentrum in Düsseldorf stellte zunächst das Krankheitsbild mit all seinen Varianten und den damit verbundenen Problemen vor und leitete über zu den Leistungen und Hilfen, die pflegebedürftige Menschen von der Pflegeversicherung erwarten können. Dabei wurden die Besonderheiten aufgezeigt, die sich besonders bei dementiellen Erkrankungen ergeben. Bei der Vorstellung des Einstufungsverfahrens mit Hilfe einer MDK-Begutachtung stellte die Referentin deutlich heraus, worauf geachtet werden muss, damit den Bedürfnissen bei einer Demenz Rechung getragen werden kann. Einschlägige Beratungshilfen wurden aufgezeigt – bis hin zum Streit mit der Pflegekasse, wenn es für notwendig befunden wird, einen Pflegebescheid vor den Sozialgerichten anzufechten. Danach entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der die Zuhörer mit einigen „handfesten“ Problemsituationen zu Wort kamen. Es ergab sich dabei, dass den Bedürfnissen der Angehörigen, die auch bei einer Betreuungsarbeit vielfältige Hilfen und Unterstützung brauchen, noch zielgerichteter entsprochen werden. Folgerichtig wird in späteren Veranstaltungen nochmals auf diese Thematik einzugehen sein.

Der 2. Vorsitzende des Pflege-Selbsthilfeverbandes e.V., Werner Schell, Initiator des Neusser Pflegestammtisches, ging beim zweiten Themenkomplex des Abends auf die Pflege-Rahmenbedingungen ein und verdeutlichte, dass insoweit dringender Korrekturbedarf bestehe. Er führte aus, dass die Berichte über Pflegemängel leider nicht abreißen und zuletzt im vergangen Jahr durch seriöse Berichte und Studien weiter präzisiert worden seien. Beispielhaft wurde von Schell auf den Leitfaden des Landespräventionsrates NRW in Düsseldorf „Gefahren für alte Menschen in der Pflege“ (April 2006) und die Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte in Berlin „Soziale Menschenrechte älterer Personen in Pflege“ (August 2006) hingewiesen. Vorauf gegangen war diesen aktuellen Veröffentlichungen u.a. ein Mängelbericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS). Schell machte klar, dass es nicht darum gehen dürfe, die Pflege in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen generell schlecht zu reden. Es gehe vielmehr darum, alle am Pflegeprozess beteiligten Personen in ihrer Arbeit durch Veränderung verschiedener ungünstiger Rahmenbedingungen zu stärken und so zum Beispiel für ausreichend Pflegepersonal einzutreten. Nach vorsichtigen Schätzungen könne man davon ausgehen, dass 20% Pflegekräfte fehlen. Ungeachtet dieses eklatanten Mangels an Pflegekräften sei die Pflege vielfach durchaus angemessen – und das sei im Wesentlichen hoch motivierten und engagierten Pflegekräften zu verdanken. Wenn aber gleichwohl über Pflegemängel geredet werde, gehe es zunächst nicht um Schuldzuweisungen, sondern um klare Analysen und das Gebot, sich um Verbesserungen im Pflegesystem zu bemühen. Denn schließlich seien die beschriebenen Mangelsituationen Menschenrechtsverletzungen, die mit Rücksicht auf die grundgesetzliche Werteordnung („Die Menschenwürde ist unantastbar“) nicht hingenommen werden könnten. Schell zeigte dann auf, wie sich vor allem Angehörige und Pflegekräfte bei erkannten Pflegemängeln zu Wort melden können. Dabei müsse es darum gehen, ein Beschwerdemanagement zu beachten, dass die Situation verbessere und nicht zusätzlich zu Komplikationen, z.B. zu Mobbing und Kündigung, führe. Schell bot ausdrücklich die Mithilfe des Pflege-Selbsthilfeverbandes e.V. an und sagte zu, allen mitgeteilten Beschwerden zielgerichtet nachgehen zu wollen. Die den Statements von Schell folgende Diskussion war besonders lebhaft, weil Gäste ihre Problemsituationen schilderten und damit ergänzend verdeutlichten, dass dringender Hilfebedarf besteht. Marcus Mertens, der als Vertreter der Heimaufsicht des Rhein-Kreises Neuss an der Veranstaltung teilnahm, versicherte, dass die Heimaufsicht allen bekannt werdenden Beschwerden über Pflegemängel in den Heimen nachgehe und im Übrigen die stationären Pflegeinrichtungen im Rhein-Kreis Neuss nur noch unangemeldet überprüft würden. Schell begrüßte diese Aussage ausdrücklich und hob hervor, dass damit einer Forderung des Pflege-Selbsthilfeverbandes e.V. für den hiesigen Raum erfreulicherweise Rechnung getragen sei.

Zahlreiche Broschüren standen den Gästen zur Mitnahme zur Verfügung, so u.a. ein Pflege-Tagebuch und Schriften zum Patienten- und Betreuungsrecht.

Kurz nach 21.00 Uhr musste zum Ende der Veranstaltung gemahnt werden. Obwohl es noch zahlreiche Gesprächsthemen gab, vertagte sich die Versammlung auf den 26. April 2007, 18.30 Uhr, Bürgerhaus Neuss-Erfttal. An diesem Tag wird der zweite für alle interessierten BürgerInnen offene Pflegestammtisch stattfinden. •



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