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27.04.2009    Verbraucherschutz Newsmeldung versenden Drucken

Stiftung Warentest prüft ambulante Dienste in NRW

Pflegeverband LfK: „Veraltete Datenbasis, kein valides Verfahren zur Messung der Pflegequalität“

Köln – Die Stiftung Warentest plant die Überprüfung der Pflege- und Beratungsleistung von ambulanten Diensten. Neben einer verdeckten Untersuchung der Beratungsqualität sollen hierbei auch die Ergebnisse bereits durchgeführter MDK-Qualitätsprüfungen herangezogen werden. Scharfe Kritik an diesem Vorhaben äußerte heute in Köln der Landesverband freie ambulante Krankenpflege NRW e.V. (LfK). „Die Stiftung Warentest verfügt nicht über die notwendige Fachkompetenz, die Qualitätsprüfungsergebnisse des MDK stammen aus 2008 und das ganze Vorhaben entspricht offensichtlich nicht den Grundsätzen und Maßstäben, die auf Bundesebene zur Transparentmachung von Pflegequalität vereinbart worden sind. Das ganze Projekt klingt wie Wilder Westen“, so Christoph Treiß, Geschäftsführer des LfK. „Alle – auch die Stiftung Warentest − wären gut beraten, wenn sie auf die Veröffentlichung von Pflegequalität nach der Transparenzvereinbarung gemäß § 115 SGB XI warten würden. Denn diese wurde unter anderem auch deshalb entwickelt, damit Laien die Qualitätsprüfungsberichte verstehen können.“

In der aktuellen Untersuchung soll die Beratungs- und die Pflegequalität geprüft werden. Testregion ist die Stadt Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Veröffentlicht werden die Resultate in der Zeitschrift „test“ der Stiftung Warentest. Dabei sollen die Ergebnisse der Untersuchung in einer „test“-Bewertung zusammengefasst werden. 21 Pflegedienste werden kontrolliert.

Wichtiger Schwerpunkt der Untersuchung ist die Pflegequalität. Um diese zu beurteilen, werden die Tester die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen des MDK Nordrhein aus dem Jahr 2008 nutzen. Gleichzeitig sollen bestimmte Teile der Prüfung, wie zum Beispiel die Anzahl der in die Bewertung einbezogenen Patienten, in Anlehnung an die neue Pflege-Transparenzvereinbarung (PTVA) erfolgen.

Die Untersuchung wird in Kooperation mit dem MDS und dem MDK Nordrhein durchgeführt, die der Stiftung Warentest die Prüfungsergebnisse zur Verfügung stellen. Hierzu sollen die Pflegedienste ihr Einverständnis erklären. Stimmt ein Pflegedienst der Verwendung der Daten nicht zu, werden die Leser im „test“-Artikel darüber informiert, so die Stiftung Warentest in ihrem Schreiben an die Pflegedienste. „Das klingt dann so, als ob der Pflegedienst etwas zu verbergen hat“, kritisiert Treiß. „Der Pflegedienst hat aber nichts zu verbergen. Er will nur nicht, dass Daten veröffentlicht werden, die selbst Fachleute nicht immer einheitlich bewerten. Es ist auch nicht nachvollziehbar, wieso der MDK – immerhin der medizinische Dienst der Krankenkassen – mit Kassengeld erhobene Daten Dritten zur Verfügung stellen will“, so Treiß weiter.

Unabhängig davon, ob der Pflegedienst der Veröffentlichung seiner Prüfergebnisse zugestimmt hat, führt die Stiftung Warentest bei allen 21 Pflegediensten eine Beurteilung der Beratungsqualität durch. Geschulte Tester werden in verdeckter Beobachtung Kontakt mit den Pflege-Anbietern aufnehmen, um die Qualität des Erstberatungsgesprächs, der übereichten Unterlagen und der Pflegeverträge zu testen. Die Verträge werden einer rechtlichen Prüfung unterzogen.

„Mit Hinweis auf die einheitliche Vereinbarung gemäß § 115 SGB XI zur Veröffentlichung von MDK-Prüfberichten und auf § 114 SGB XI, wonach bis Ende 2010 alle Pflegedienste mindestens einmal und ab dem Jahr 2011 regelmäßig im Abstand von höchstens einem Jahr zu prüfen sind, haben wir unseren Mitglieder von einer Teilnahme abgeraten. Eine Parallel-Untersuchung durch die Stiftung Warentest zum derzeitigen Zeitpunkt ist unserer Ansicht nach nicht zielführend. Auch bringt die zusätzliche Untersuchung aufgrund von bereits überholten Prüfungs-Richtlinien wenig zur Transparenz der Qualität bei. Vielmehr ist es zu erwarten, dass diese eher zur Verunsicherung der Verbraucher im sensiblen Bereich der Alten- und Krankenpflege führen würde“, so der Geschäftsführer des größten ambulanten Pflegeverbandes in NRW. •



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