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23.10.2008    Politik - Bundesebene Newsmeldung versenden Drucken

Langzeitarbeitslose als Betreuer im Pflegeheim: Sparen um (fast) jeden Preis?

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) kritisiert die Pläne der Großen Koalition, Langzeitarbeitslose nach einer kurzen Schulung zur Betreuung von Demenzkranken einzusetzen.

Köln (ots) - Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) kritisiert die Pläne der Großen Koalition, Langzeitarbeitslose nach einer kurzen Schulung zur Betreuung von Demenzkranken einzusetzen. "Alte Menschen, die an einer demenziellen Veränderung leiden, sind schwer krank und brauchen dringend fachkundige Betreuung", so Gabriele Osing, Leiterin der Abteilung Soziale Dienste beim ASB-Bundesverband. Sie von Arbeitskräften betreuen zu lassen, die nur deshalb in einer Pflegeeinrichtung tätig sind, weil sie zuvor lange erwerbslos waren, sei fahrlässig und wirke sich negativ auf die von allen Seiten - auch von der Politik - geforderte Pflegequalität aus.

"Wer heute noch der Auffassung ist, qualitativ hochwertige Pflege könne von jedem erbracht werden, der sich - ob gezwungen oder freiwillig - einer kurzen Schulung unterzieht, hat offensichtlich schon lange keine Pflegeeinrichtung mehr von innen gesehen", so Osing. Viele hochbetagte alte Menschen, die an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden und zusätzlich durch eine Demenz in ihrer Alltagskompetenz beeinträchtigt sind, können trotz guten Willens und aller Bereitschaft nicht mehr von ihren Angehörigen versorgt werden. Sie verbringen deshalb ihre letzte Lebenszeit in einer Pflegeeinrichtung, weil eine hoch qualifizierte Fachpflege erforderlich ist. Die dringend herbeigewünschte Unterstützung bei der Alltagsbetreuung, die mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz nun möglich schien, wird durch den Vorschlag, Langzeiterwerbslose mit "Vorlesen und Einkaufen" in die Pflege einzubinden, ad absurdum geführt.

Zudem zeigen die Erfahrungen des ASB im Saarland, der vielfältige Projekte zur Integration von Langzeitarbeitslosen betreibt, dass die Eingliederung dort am besten funktioniert, wo den Wiedereinsteigern im Arbeitsalltag Ansprechpartner unterstützend und beratend zur Seite stehen können. "Gerade dies kann aber aufgrund der Personalknappheit in den Pflegeheimen nicht ausreichend geleistet werden", so Osing. "Der ASB hat im Saarland deshalb im Bereich der Pflege kaum positive Integrationserfahrungen gemacht."

Weiter kritisiert der ASB die Kürze der geplanten Qualifizierung für die Betreuung der demenzkranken Menschen. Eine Weiterbildung von 100 Theorie- und 60 Praxisstunden reicht nach Ansicht des ASB nicht aus, um die Bereitschaft und die Fähigkeit für den Umgang mit schwer kranken alten Menschen herauszufinden. Jahrelange Bemühungen um eine hohe professionelle Qualität der pflegerischen Betreuung werden mit dem Vorhaben der Bundesregierung in Frage gestellt.•



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